• Ein etwas "unwissenschaftlicher" Beitrag.

    Vor 2 Jahren haben wir das Pultdach (8.3m x 6m) des Hauses mit 30cm isoliert. Der GO steht in dem Raum, welcher unter diesem Dach liegt. Im letzten Jahr haben wie die Fensterfront des Aufstellraumes (8.3m x 3m) mit 3-fach Verglasung neu gemacht. Ich musste unsere Heiztechnik neu definieren: wir brauchen massiv weniger Heizleistung.

    Unseren GO fahre ich nun ganz selten mit voller Leistung: 20kg. In den letzten Tagen -es war doch recht kalt (bis -8....-10Grad) genügten Teilmengen von 8 bis 10kg. Ich weiss, ich sollte nicht unter 10kg und mache es trotzdem. Mit diesen Teilabbränden habe ich etwas mir scheint interessantes gesehen:

    Ursprünglich schichtete ich das Material links beim Überbrand auf. Bei den letzten Abbränden habe ich die rechte Seite gewählt. Und siehe da (ich kommentiere den letzten im Anhang bebilderten Abbrand): das Feuer brennt viel ruhiger, die maximale Temperatur am Überbrand war 580 Grad und damit um ca. 200 Grad tiefer, die maximale Temperatur am Vbs betrug 175 Grad und damit ca. 40 Grad weniger, die Abbranddauer betrug 79min für die eingeschichteten 8kg. Sie war damit gut 20min länger als bei der rechten Einschichtung. Ich habe auch den Eindruck, dass die Energieausbeute besser ist. Eigentlich bestätigt die bekannte Wirkungsgradformel diesen Eindruck mit die recht tiefe Temperatur am Vbs. Schornsteinversottung: Entwarnung. die Temperatur an der Mündung stieg auf ca. 140 Grad.

    Das soll eine Aufmunterung sein an diejenigen welche mögen, mit ihrem Ofen zu experimentieren um etwas bisher Gutes anders oder vielleicht sogar besser zu machen.

  • Hallo Robert,

    Das ist sehr interessant. Jedoch, wie erklärt man so ein Phänomen? Woran könnte es liegen?

    Vielleicht ist ja auch die Zuluft, die direkt im überbrand verschwindet und garnicht durch den Stapel geht. Das würde die niedrigen Temperaturen am vbs ebenfalls erklären.

    Wie stellen sie fest das die energieausbeute besser ist? Wie sind die Temperaturen nach 8/12 Stunden am vbs?

    Und es freut Mich auch nach Jahren noch wenn Ich etwas dazulerne danke für ihren Beitrag.

  • Hallo zusammen,

    ich hänge mich mal dran und lese interessiert mit.

    Meine Vermutung ist, dass durch die langsamere Verbrennung die Sättigung der Schottsteine höher ist, da das Feuer langsamer durch die Züge geht?

    Mal sehen was die Fachmänner zu meiner Vermutung sagen?

    Viele Grüße

    Jochen

  • Vielleicht ist ja auch die Zuluft, die direkt im überbrand verschwindet und garnicht durch den Stapel geht. Das würde die niedrigen Temperaturen am vbs ebenfalls erklären.

    Hallo Steffen

    Das ist plausibel .... aber ob es wahr ist? Ich habe übrigens die Einstellung der Verbrennungsluftzufuhr welche ich "seit Jahren" anwende weder am Kern-Schieber noch an der WGS-Klappe verändert. Durch die tieferen Temperaturen im Schornstein ergibt sich auch ein tieferer Förderdruck und ein kleineres Verbrennungsluftvolumen in der Zeiteinheit. Allerdings kompenisert da die längere Abbrandzeit. Kann man alles rechnen aber ohne den Luftüberschuss zu kennen ist das m.E. brotlose Kunst. Nur eine Lambdasonde wird weiterhelfen.

    Heute habe ich den kalten Ofen mit 3/4 der Nennmenge gefahren. Einschichtung rechts. Alle bei einer 1/2 Nennmenge gemachten Beobachtungen bestätigen sich:

    - unverändert schneller befriedigend Anfeuerprozess

    - tiefere maximale Temperatur am Überbrand

    - tiefere maximale Temperatur am Vbs

    - tiefere maximale Temperatur am Schornsteinkopf

    - längere Abbranddauer

    - unverändert schnelle befriedigender Ausbrandprozess

    - zusätzliche Beobachtung: die Scheibe beschlägt eindeutig weniger schnell bei der rechten Einschichtung als bei der linken.

    - die Temperatur am Vbs ist ein paar Minuten nach dem Schliessen der Verbrennungsluftzufuhr bei 130 Grad (dies sowohl bei 1/2 und 3/4 Nennmenge). Das dürfte der Temperatur der Gesteins entsprechen.

    Nun wären eigentlich Messreihen mit der Integration der Messresultate gefragt um nicht gestützt auf Spitzenwerte irgendwelche Schlüsse zu ziehen. Die Lambdawerte müssten da natürlich auch berücksichtigt werden. Im Moment fehlt mir die Lust dazu: ich stelle einfach überrascht fest, wie sensibel der Abbrandprozess auf kleine Veränderungen (Anfeuerprozess, Einschichten, ....) wirkt.

    Was ich will:

    - einen schnellen Anfeuerprozess (habe ich bei allen stehenden, hier früher kommunizierten Einschichtungsarten)

    - einen schnellen eindeutigen Ausbrandprozess (Der Steuerung bekommen die Erkenntnisse "rechts Einschichten" besser: Bis heute habe ich keine Schlaufen im Warteprozess festgestellt. Warteprozess: bei einer einstellbaren Überbrandtemperatur startet die Steuerung einen einstellbaren Warteprozess bis zum Schliessen der Verbrennungsluftzufuhr. Dieser Warteprozess beginnt wieder von vorne, wenn die Steuerung wider Erwarten wegen einem Aufflammen eines Restholzes einen Temperaturanstieg am Überbrand feststellt. )

    - minimales Beschlagen, Verschmutzen der Scheibe (da sind offenbar die letzten Erkenntnisse besser)

    - ein "hübscher" Abbrandprozess (da überzeugen mich meine letzten Erkenntnisse).

    Nach der Heizperiode muss ich das rückwärtige Lufmodul reparieren. Ich werde bei der Gelegenheit auf der linken Seite die Schlitze mit einem Blech abdecken um den vermuteten Lufüberschuss zu reduzieren.

    Und vielleicht kommt die Lust zum Messen .....

  • Meine Vermutung ist, dass durch die langsamere Verbrennung die Sättigung der Schottsteine höher ist, da das Feuer langsamer durch die Züge geht?

    Hallo Jochen

    Wenn das so ist, ist alles gut! Aber ist es wirklich so?

    Die tiefere Schornsteintemperatur gibt einen kleineren Förderdruck. Ein kleinerer Förderdruck ergibt ein kleineres Luftvolumen pro Zeiteinheit bei gleichem Widerstand (und bei mir habe ich den Widerstand nicht verändert). Das kleinere Luftvolumen führt zu einem kleineren Brandherd und damit zu tieferen Temperaturen im System und einer längeren Abbrandphase.

    Aber was ist, wenn ein grösserer Anteil der Luft nicht am Verbrennungsprozess teilnimmt sondern sich mit den Verbrennungsgasen am Überbrand mischt? Die Temperatur dieses Gemisches steigt weniger und führt im Schornstein zu tieferem Förderdruck.

    Erkenntnis: durch die Art des Einschichtens kann ich das Strömungsgleichgewicht des Systems verändern. Ich möchte es so haben, dass der Wirkungskrad tatsächlich hoch ist (wenig zum Schornstein raus geht: EVerlust = Integral über die Abbranddauer von f(Volumen, spez. Wärme), die Abgase die Umwelt minimal belasten und kein Kohlenmonoxid produziert wird.

    Mir scheint, dass nur die Lambdasonde weiterhilft. Wie müssen doch die Ofenbetreiber die nicht messen, glücklich sein. Sie brauchen nur Holz spalten, Asche austragen und Scheibe reinigen.

    Edited once, last by Robert (February 9, 2023 at 9:41 PM).

  • Hallo Robert,

    vielen Dank für deine ausführliche Anwort.

    Wohl dem, der messen kann 😉, ich habe leider keine Möglichkeit da beim Aufbau des Ofens nicht brücksichtigt, aber bin dennoch sehr mit dem Ofen zufrieden.

    Ich schichte nach einigen Versuchen mein Holz längs liegend ein, nach jeder Lage lege ich noch"Abstandshalter" zwischen, so dass das Feuer richtig durchs Holz ziehen kann und bin der Meinung, dass dies die beste Verbrennung in meinem Ofen ist.

    Jedoch muss ich vor dem Spalten das Holz noch sägen und trocknen 😉 und die Scheibenreinigung erfolgt in der Regel max. einmal pro Monat, genau so wie das Ascheleeren.

    Ich lese gerne weiter über deine weiteren Versuche, die für mich sehr interessant und hilfreich sind!


    Schönes WE

    Jochen

  • Hallo zusammen,

    Nicht nur das einschichten, sondern auch die Konstruktion des Ofens machen oft einen deutlichen Unterschied.

    Wo liegt der überbrand? Vorne, hinten, seitlich oder sogar in der Decke? Wichtig ist meiner Meinung nach das die Luft gezwungen wird am Verbrennungsprozess teilzunehmen, deswegen entfache ich das Feuer immer direkt am überbrand, alle Gase müssen an der sich bildenden Flamme vorbei.

    die mittlere Abbrandtemperatur kann man auch mit der Dicke des Holzes steuern, und somit den förderdruck beeinflussen.

    Natürlich sind dem Grenzen gesetzt, vor allem bei der Qualität der Verbrennung, wie Robert schon schrieb. Je heißer die Verbrennung, desto weniger Schadstoffe (um es grob zu sagen)

    Liebe Grüsse

  • Wichtig ist meiner Meinung nach das die Luft gezwungen wird am Verbrennungsprozess teilzunehmen, deswegen entfache ich das Feuer immer direkt am überbrand, alle Gase müssen an der sich bildenden Flamme vorbei.

    Die Verbrennungsluft zu zwingen, den Brandherd zu passieren ist sicher richtig. Welcher Anteil für den Verbrennungsprozess gebraucht wird, wäre zu untersuchen.

    Ich vermute, dass bei einem wachsenden Angebot an Verbrennungsluft (wachsend weil der Förderdruck der senkrechten Gasläufe steigt) der Verbrennungsprozess durch eine Intensivierung des Feuers seinen Gleichgewichtszustand verschiebt. Höhere Gastemperatur > mehr Verbrennungsluft > intensiveres Feuer > > grössere Gasgeschwindigkeit > Reduktion der Verweilzeit in den Zügen > verminderter Energieübergang auf die Schamotte > höhere Temperatur > und das widerholt sich bis der Brennstoff ausgeht. Nun das sind meine Vermutungen.

    Deswegen bin ich auf der Suche nach einer Möglichkeit die Temperatur am Vbs ab einem zu bestimmenden Wert "konstant " zu halten ohne natürlich mehr Schadstoffe oder Kohlenmonoxid zu produzieren. Aber dazu braucht es dann mehr als Temperaturmessungen. Ob ich dann als Ofenbetreiber in der Lage wäre, die Erkenntnisse zu nutzen, ist eine andere Frage: einschichten (wie?, Dichte?), anzünden (wo?), Scheitergrösse, Holztrockenheit, Verrussung, klimatische Umweltbedingungen sind Parameter, welche ich nur bedingt im Griff hätte.

    Ich wäre kein guter Ofenverkäufer.

  • Wohl dem, der messen kann 😉, ich habe leider keine Möglichkeit da beim Aufbau des Ofens nicht brücksichtigt, aber bin dennoch sehr mit dem Ofen zufrieden.

    Zufriedenheit mit dem was man hat, ist wohl das Wichtigste!

    Vor 25 Jahren habe ich eng mit einem Professor der ETH zusammengearbeitet um die Firma mit ihren Produkten und Prozessen welche ich damals leitete, zu digitalisieren. Seine Aussage: nur was man messen kann , kann man verbessern!

    Ja, vor 25 Jahren haben wir bereits digitalisiert. Damals wussten die Politiker noch nicht, was das ist. Und heute können die das Wort bereits schreiben .... aber kaum mehr.

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