Welcher Ofen und welche Heizung für Niedrigenergiehaus

  • Hallo zusammen,


    Ich plane derzeit ein Neubau und natürlich auch die Heizung. Ich würde gerne nennenswert mit Holz heizen, nicht nur an Weinachten mal das Kamin anfeuern. Auf der anderen Seite will ich im Neubau nicht auf eine Zentralheizung verzichten. Mich würde es interessieren was die Forumsgemeinde meint welcher Kamin/Kachelofen/Grundofen mit oder ohne Wassertasche am besten in einen Neubau mit guter Dämmung passt. Die Zentralheizung läuft vermutlich auf eine Wärmepumpe und Flächenheizungen raus. Leider auch nicht gerade günstig, oder würdet ihr hier was anderes machen?

    Bin sehr gespannt auf euren Input.

  • Hallo Irvine,


    ein Grundofen mit Absorber macht Sinn. Gerade bei einem Neubau (Niedrigenergiehaus) ist es leicht möglich das ganze Haus mit einem GO inkl. Absorber zu beheizen.

    Dazu musst du dir aber im Vorfeld Gedanken machen über:

    1. welche Energie benötigt dein Neubau pro Jahr

    2. welche Räume möchtest du beheizen

    3. welche Energie benötigt jeder Raum

    4. wie groß ist dein Raum, wo der Ofen steht.

    5. wo ist überall eine Flächenheizung verbaut, Fußboden und oder Wandheizung

    6. barfuß oder mit Hauschuhen im Haus

    7. welche Böden werden verlegt und wo

    8. Wo steht dein Ofen im Neubau, mittig im Gebäude oder versteckt im Eck

    9. welche Entfernung hat dein Ofen vom Esstisch, Wohnzimmer, Küche etc.

    10. Pufferspeicher geplant

    11.Warmwasserbereitung und Heizung erwünscht

    12. wie oft kannst du am Tag ein Feuer machen

    13. Budget


    Eine Backup Lösung ist unbedingt empfehlenswert, falls es ein Problem gibt. Ob eine Wärmepumpe, Heizstab etc., liegt in deinem Ermessen. Es kommt auch darauf an wieviel du einschnüren möchtest und kannst, auch über einen längeren Zeitraum.

    z.b Waldbauer mit 10ha Wald wird einen Heizstab im Pufferspeicher nehmen, da er Brennholz günstig hat und Freude am Einheizen.

    Im Sommer mit einem GO das Brauchwasser zu erwärmen macht keinen Sinn, evtl. Solarthermie.


    Gruß

    Stephan

  • Hallo,

    es wird eine Wärmepumpenheizung mit Wand-, Fussboden- oder Deckenheizung.

    Die Heizung wird auch so ausgelegt, dass das Haus damit vollständig beheizt werden kann. Brauchwasser wird auch mit Wärmepumpe erhitzt.

    In dem Haus soll es aber auch ein Holzofen zum Heizen geben. Wie Groß eben dann sinnvoll ist versuche ich gerade herauszufinden.

    Hier mal meine ANtworten auf dei Fragen:

    1. welche Energie benötigt dein Neubau pro Jahr

    KFW 40 Standard mit ca. 150m² + Einliger 50m² --> 200m² * 30W/m² ca 6kW.Das ist natürlich nur eine grobe Schätzung.


    2. welche Räume möchtest du beheizen

    So viel wie sinnvoll möglich


    3. welche Energie benötigt jeder Raum

    Muss erst noch bestimmt werden


    4. wie groß ist dein Raum, wo der Ofen steht.

    Wohnen Essen Kochen als ein Raum mit 45-50m². Beheizung vom Hausgang bzw. Nebenraum, so dass dort auch noch Wärme ankommt.


    5. wo ist überall eine Flächenheizung verbaut, Fußboden und oder Wandheizung

    Überall, damit man auch mit der Wärmepumpe heizen kann. Ob Fussboden, Decke oder Wand weiß ich noch nicht. Falls mir jemand dazu ein Tipp geben kann, gerne :))


    6. barfuß oder mit Hauschuhen im Haus

    Barfuß


    7. welche Böden werden verlegt und wo

    Steht noch nicht fest, aber wir mögen gerne Holz, also Diele oder Parkett sind im Moment unser Favorit.


    8. Wo steht dein Ofen im Neubau, mittig im Gebäude oder versteckt im Eck

    Eigentlich hätte ich den gern mittig im Gebäude. Außer ich komme doch zu dem Schluss ein Kamin ist zu teuer und nur ein Außenkamin ist sinnvoll.


    9. welche Entfernung hat dein Ofen vom Esstisch, Wohnzimmer, Küche etc.

    Wenn der Ofen mittig im Gebäude ist, dann haben wir auch etwas Abstand ca 3m


    10. Pufferspeicher geplant

    Plannung ist noch nicht so weit. Was meint ihr? Eher ratsam?


    11.Warmwasserbereitung und Heizung erwünscht

    Erwünscht ja, aber es darf natürlich nicht extrem unwirtschaftlich sein.


    12. wie oft kannst du am Tag ein Feuer machen

    Am liebsten einmal am Tag groß anfeuern und dann von der Speichermasse profitieren. Max. 2mal am Tag


    13. Budget

    Da versuche ich mir gerade ein Bild zu machen. :)

  • Hallo Irvine,


    bei einem Niedrigenergiehaus muss man aufpassen, dass man den Aufstellraum des Ofens nicht überhitzt. Bei einem KfW 40 Haus muss man die Wärmemenge die der Ofen in den Raum strahlt genau berücksichtigen. Sonst wird es schnell zu unangenehm. Eine Bekannte erzählte sie haben ein KfW 55 Holzhaus ohne Keller gebaut (Baujahr2020) mit einem Holzofen der auch Warmwasser in einen Puffer einspeichert. Verbrauch pro Jahr ca. 4- 5 Ster Holz. Alles wunderbar soweit. Es wird immer am Abend eingeheizt und nach einer gewissen Zeit müssen sie die Fenster aufmachen und die Wärme rauslüften, da der Wohn- Essbereich dermaßen überhitzt ist von dem Ofen. Der Ofen ist eine Art Schwedenofen. Also kein Speicherofen, wie ein Grundofen.

    Nach meinen bisherigen Erfahrungen mit Böden braucht man bei Fliesen und Steinböden immer eine Fußbodenheizung im Winter wenn man barfuß im Haus läuft oder Kinder darauf spielen sollen. Habe bei mir nur am Gang, im Bad und im WC Fliesen verlegt. Sonst alles Parkett, geklebt auf Fließestrich. Habe vor kurzem einen Dielenboden schwimmend verlegt in einem KfW 40 Haus (Kinskofer Holz Lehm Haus) erleben dürfen. War total warm und voll angenehm darauf zu laufen und das ohne Fußbodenheizung. Raumtemperatur war 22,5 Grad. Mein geklebter Parkett auf Estrich ist viel kälter und dadurch unangenehmer. Muss z.b in der Küche (mit Parkett belegt) die Fussbodenheizung einschalten, da es sonst zu unangenehm wird, wenn man länger steht.

    Generell würde ich dir empfehlen in der Küche und im Esstischbereich einen Holzboden schwimmend zu verlegen, weil dann musst du keine Fußbodenheizung laufen lassen, weil der Grundofen den Raum eh sehr gut mit Wärme versorgt und du den Raum nicht überheizt. Das Argument, dass in der Küche ein Holzboden unpassend ist, kann ich nach meinen Erfahrungen nicht teilen. Vom Verschmutzungsgrad und Fettflecken ist das größte Problem nicht die Küche sondern der Esstischbereich. Drei Kinder sind hier eine Herauforderung für den Boden um den Esstisch. ;)

    Wenn man einen Grundofen mit Absorber einbauen möchte, dann benötigt man einen Pufferspeicher. Soll anscheinend vorgeschrieben sein. Ca. 50l Puffer pro kw Absorberleistung. Da reicht dann ein kleiner Puffer vollkommen. Denke mehr als 250 Liter sollten es bei ihnen nicht sein.

    Den Grundofen würde ich maximal mit Absorber belegen und diese nicht alle auf einen zentralen Vorlauf legen lassen, sondern auf mindestens zwei Vorläufe die in deinen Kellerraum gehen, verlegen lassen. Habe das bei mir so gemacht. Drei Absorber mit einer Fläche von 2,3m2 gehen mit Vorlauf und Rücklauf in den Kellerraum und ein separater Absorber mit 1m2 geht auch jeweils in in den Kellerraum mit Vor- und Rücklauf. Warum habe ich dies gemacht? Weil ich nicht genau wusste wieviel Energie ich im Aufstellraum benötige und mein Wohnzimmer ganz in der Nähe von dem 1m2 Absorber ist. Ich wollte damit sicher gehen, dass ich auf die Situation mit zu wenig oder zu viel Wärme im Raum bzw. im Wohnzimmerbereich reagieren zu können.

    Bei mir laufen jetzt alle Absorber. Habe den Vorlauf von dem 1m2 Absorber mit dem Rücklauf der 2,3m2 Absorber fest verbunden. Dies ist bequem vom Heizungskeller aus möglich. Heute würde ich mittels Absperrhähnen dies realisieren. Dann braucht man nicht die Rohre aufflexen, wenn man im Nachhinein einen Absorber dazuschalten oder abschalten möchte.


    Hier noch ein lohnenswerter Beitrag von „ud“ der ein Holzhaus mit Grundofen incl. Absorber und Wärmepumpe verbaut hat.


    Grundofen mit Absorber als Alleinheizung im Passivhaus - HaustechnikDialog


    Gruß

    Stephan

  • Danke für die ausführliche Antwort, die Erfahrungen und den Link.


    Tatsächlich habe ich mich auch weiter eingelesen und sehe auch das Thema Überheizen als wichtigen Punkt. So wie ich das auch hier verstehe kann man die Überheizproblematik in den Griff bekommen, wenn man ein Grundofen ordentlich plant und mit Absorber versieht.


    Andererseits beschäftigen mich aber auch folgende Themen:


    Wird ein individuell geplanter Grundofen mit Absorber und Heizungsanbindung nicht sehr teuer?


    Mir ist in der Zwischenzeit klar geworden, dass in einem gut gedämmten Haus mit einer (Ringgrabenkollektor-)Wärmepumpe so geringe Heizkosten entstehen, dass selbst bei kostenlosem Holz keine sehr große Ersparnis mit einem Ofen möglich ist. Trotzdem bleibe ich dabei, dass ich gerne eine Holzheizung hätte und nicht ausschließlich ein Komfortfeuer zum Anschauen.


    Insbesondere bei den Absorbern und der Heizungseinbindung bin ich unschlüssig wie sinnvoll das ist. Neben den Kosten, die ich noch nicht einschätzen kann, frage ich mich auch aus technischer Sicht wie sinnvoll das ist. Oft liest man ein Pufferspeicher ist bei einer Wärmepumpenheizung eher von Nachteil im Hinblick auf Effizienz. Außerdem wird die Wärmepumpenheizung auf eine niedrige Temperatur ausgelegt.


    Muss bei der Heizungsanbindung eines Grundofens nicht genau das Gegenteil gemacht werden, also großer Pufferspeicher mit eher hoher Temperatur?

  • Ein paar Stichpunkte.


    Überheizen kann man mit dem Grundofen nur wenn man das absichtlich macht, mit dem Absorber hat das nichts zu tun.


    Teuer ist ein Grundofen, im Vergleich zu anderen Ofenarten, nicht wenn man sieht was man für das Geld bekommt.


    Empfehlenswert ist die Ausstattung des Grundofens mit Absorber beim Zusammenspiel mit einer Luft/Wasser-Wärmepumpe.

    Er gleicht dann die Schwäche der Wärmepumpe bei tiefen Temperaturen aus.

    Einen großen Pufferspeicher braucht man da aber nicht. Das ist auch gar nicht sinnvoll. 300ltr. reichen da völlig aus.

    Der Grundofen selbst ist da der Hauptspeicher.

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