Kachelofen im Allgäu

  • Liebe Kachelofenheizer und solche die es noch werden wollen,


    in unserer aktuellen Lage freut sich jeder über etwas Abwechslung und so habe ich mir gedacht, schreibe ich hier mal etwas über unseren Kachelofenbau. Um in Zeiten von Ausgangssperre und Homeoffice keine Langeweile aufkommen zu lassen haben wir keine Kosten gescheut und uns eine Bausatz von Herrn Kern liefern lassen.
    Die Vorgeschichte verlief ähnlich wie bei den Meisten hier, nach intensiver Suche und guter Beratung kam die Entscheidung für Keramik Art. Wenn man schon viel Geld ausgibt dann soll es auch etwas Solides sein, ist unsere Meinung.
    Wir haben ein altes Bauernhaus und das Wohnzimmer(4,5x5m) ist fast der letzte Raum der noch nicht renoviert wurde. Ein alter Warmluft-Kachelofen von 1970, der laut Kaminkehrer nicht mehr betrieben werden darf, musste weichen. Der neue Ofen soll ein Tunnelofen mit 2 Glastüren, eine im WZ, eine im Flur, werden. Zuerst war eine Eisentür im Flur gedacht, die ist aber so klein das das Feuern und Entaschen keinen Spaß macht. Beheizt werden soll eigentlich nur vom Flur aus, das war beim alten Ofen auch so und hat sich bewährt. Im Wohnzimmer das Feuer nur anschauen, nicht anfassen...
    Die Wand zum Flur haben wir auf einer Länge von 1.7 m komplett rausgerissen, so das der Ofen in dieser Lücke Platz hat und über den Flur noch die obere Etage mit temperieren kann. Die Zuluft kommt über ein 200er Lüftungsrohr mit 2 Bögen aus dem Keller (Keller nur unter dem Flur). Für eine Abbrandsteuerung habe ich ein paar "Rohre" im Fundament mitverlegt, es ist der Mantel von Metall Brauseschläuchen.
    Soviel zur Vorgeschichte bis letzte Woche. Ich hänge noch ein paar Bilder an, ich hoffe es klappt. :confused:


    Grüße
    Maik

  • Erster Post lief gut, hier kommt die Fortsetzung:
    Dann kam die Anlieferung des Materials aus Ungarn. Ich hatte schon befürchtet, dass der Virus uns einen Strich durch die Rechnung macht aber es hat mit leichten Verzögerungen doch noch geklappt. 5 Paletten, die schwerste 960kg. Also wer hier keinen befestigten Weg zu seinem Haus hat der sieht alt aus! Die "Verluste" waren minimal, eigentlich ein Wunder bei den Speditionen heutzutage. Bis alles im Wohnzimmer war hatten wir aber doch mehrere Schweißtropfen auf der Stirn. In Zeiten der Ausgangsbeschränkung sind Helfer nicht zu bekommen. :mad:
    Nach Zahlung der letzten Teilrechnung haben wir dann auch per Mail die Detailpläne und die Aufbauanleitung erhalten. Am Anfang ist es etwas verwirrend aber nach intensivem Studium aller Unterlagen und des Materials wir es dann besser......
    Nun beginnt das Anzeichnen. Erschwerend kommt hinzu, dass es in unserem Haus nicht so viele rechte Winkel gibt und das was früher mal im Lot gebaut wurde sich heute unter Umständen leicht neigt. Die Trennwand zum Flur hat auch nicht an allen Stellen die gleiche Stärke und ich spreche hier nicht von Millimetern!
    So haben wir seit letzten Donnerstag das Fundament für den Brennraum gemauert, den Brennraum aufgesetzt, die erste Reihe für die Vormauerung gesetzt und diese weiße Platte (Vermic...??)am Boden verlegt und der Wand verklebt.
    Nicht viel, stimmt. Aber man misst gefühlte 1000mal alles nach und überlegt. Was jetzt am Anfang nicht passt, lässt sich später nicht mehr korrigieren. So ein kleiner Kreuz-Baulaser aus Amazonien ist da äußerst zu empfehlen!
    Morgen nach der Arbeit geht es weiter. Vom Homeoffice bis zur Baustelle schaffe ich es in unter einer Minute. :D


    Ich halte Euch auf dem Laufenden, Grüße
    Maik

  • Hier mal die Daten vom Ofen:


    Heizleistung: 5,0 kW
    Nennheizzeit: 12 Stunden
    max. Holzmenge: 18,5 kg
    min. Holzmenge: 9,2 kg
    Ausbaustoff: dichte Schamotte
    Zuglänge: 6,8 m


    VG Maik

  • Es geht weiter....
    Habe den Brennraum ausgemauert und die Züge angelegt. 3 Abende und immer fast bis Mitternacht. Empfehlenswert ist die dosierte Zugabe von Bier an den Hobby-Ofenbauer! Das entspannt die Lage ungemein... :p
    Mühsam ist es schon, da ich recht viel überlegen muss. Der Mailverkehr mit H. Kern klappt hervorragend und so geht es gut voran.
    Den Rest könnt Ihr den Bildern entnehmen.
    Grüße
    Maik

  • Heute konnte ich schon ab Mittag wieder am Ofen arbeiten und so ging es gut voran. Zuerst habe ich wieder 2 Reihen Schamottesteine auf die Züge gemauert. Mehr traue ich mir nicht, da der Feuerstellenmörtel nur sehr langsam anzieht. Es steht extra in der Anleitung: Steine nicht vornässen - die kommen aber klatschnass aus der Steinsäge! :( Ich denke deswegen bleibt der Mörtel so lange weich, denn an denen, die nicht geschnitten und trocken vermauert werden, zieht er schneller an.
    Ohne Steinsäge ist so ein Ofen nicht zu bauen. Alles mit dem großen Flex ginge zwar auch aber dauert ewig und staubt wie die Sau. Von der Genauigkeit mal ganz abgesehen. Ich habe eine gebrauchte Maschine gekauft, die hat 800W und ein Blatt mit 230 mm Durchmesser. Das ist meiner Meinung nach das absolute Minimum. Wenn ich nicht aufpasse würge ich sie ab und das Blatt reicht auch gerade so um die 6,5 cm starken Steine in einem Zug zu schneiden. Bei den 9 cm Steinen vom Feuerraum muss ich von beiden Seiten schneiden, geht auch zur Not.
    Am Feuerraum habe ich die letzte obere Reihe Steine gesetzt, die Winkelschinen für die Feuerraumdecke eingebaut und den Deckel aus einer Schamotteplatte aufgemörtelt. Die jetzt verbleibende Öffnung ist der Überbrand, also Zug Nr.1.


    Schönen Abend
    Maik

  • Der Ofen wächst....
    Es sind wieder ein paar Reihen dazugekommen. :) Nach dem anfänglichen Arbeiten auf den Knien, ist es jetzt schon bedeutend angenehmer in Brusthöhe! Aufpassen muss ich das nichts hineinfällt, denn die Arme reichen zum rausangeln nicht mehr aus.
    Zwischen dem Brennraum und den Zügen ist ein Spalt freizuhalten der später mit Steinwolle ausgestopft wird. Ich hab da einfach Wellpape reingestellt damit der Mörtel nicht so reinquillt. Danach rausziehen und weiter oben wieder reinstecken.
    Das Mörteln geht jetz auch etwas schneller, eine gewisse Übung macht sich bemerkbar. Ein Gummihammer ist ganz praktisch um den Stein in seine Position zu bringen, kurze und lange Wasserwage, mehr brauchts nicht.
    Heute konnte ich nicht viel machen, Sonntags die Steine zu schneiden kann man seinen Nachbarn einfach nicht zumuten. Obwohl hier im Dorf die Abstände wirklich groß sind, die Nassschneidemaschiene ist sehr laut. Innen aufstellen habe ich auch mal versucht aber da schwimmt die halbe Bude....
    Morgen gehts weiter mit einer Reihe Schamotteplatten für die wagerechten Züge.
    Grüße
    Maik

  • Neues vom Eichhörnchen....:
    Viel gibts nicht zu berichten. Es geht immer so weiter, wieder ein Stein, schauen das die senkrechten Fugen sich schön überlappen, Mörtel anrühren und Obacht geben das das Bier nicht ungenutzt verdunstet! Die Hände schauen schlimm aus, trotz Handschuhen. Der Mörtel ist aggressiv, da kannste cremen , bringt fast nix. Steine schneiden alles nass, Handschuhe aus, anzeichnen, Mörtel drauf, sch... Handschuh vergessen, am Ende hängt die Pampe überall. :( Naja wird schon wieder werden.
    Die beiden senkrechten Züge sind jetzt mit dem Brennraum verbunden und der erste waagerechte Zug hat auch schon seinen Abdeckung aus Schamotteplatten bekommen.
    Im Überbrand habe ich für den Fühler der Ofensteuerung einen Einbauplatz geschaffen. Ein 5er Loch durch einen Schamottestein gebohrt und von beiden Seiten auf 20 mm aufgebohrt ohne ganz durchzustoßen. Außen kommt ein 15 mm Edelstahlrohr rein, das im Bogen bis in die angrenzende Wand ragt. Dort ist es fest eingemörtelt und führt das Kabel weiter bis zur Steuerung. Im Schamottestein wird das Rohr nur mit Steinwolle fixiert. So kann ich später jederzeit vom Überbrand aus den Fühler einbauen oder auch mal wechseln. Der Fühler wird ebenfalls nur mit Steinwolle "festgestopft".
    Als Fühler habe ich bei Sensorshop24 einen Rauchgasfühler Typ K mit Glasseideleitung bestellt. Der passt zur Tatarek Steuerung und ist 200 mm lang, das sollte ausreichen so das das Ende in der Mitte des Abgasstromes sitzt.
    Im ersten waagerechten Zug ist auch wieder eine Reinigungsöffnung, wenn die genau über der unteren Öffnung eingemauert wird schaut das auch gut aus (sagt Herr Kern) :) .
    Grüße
    Maik

  • Ja, die Fortschritte sind hart erkämpft!
    Nach der Arbeit gehts los und so bis 20:00 Uhr traue ich mir draußen Steine zu schneiden, nicht das die Nachbarn noch ausflippen.... Danach Mörtel anrühren und mauern - so wird´s schnell Mitternacht.
    Gestern habe ich noch den Kaminanschluss fertig gemacht. Wir haben einen alten gemauerten Schornstein, da gehr das mit einem Doppelwandfutter, etwas Mörtel und Steinwolle recht schnell. Direkt vor dem Anschlussstück sitzt der 2. Temperaturfühler für die Steuerung. Einbauen kann man ihn durch die obere Reinigungsöffnung.
    Aber heute, 19:00 Uhr waren die Züge fertig. :D Der letzte Stein war nur 4x5 cm groß, dann kam noch der obere Abschluss aus Schamotteplatten drauf - fertig.
    Vor 13 Tagen habe ich angefangen. Jetzt geht´s mit der Vormauerung weiter, dann verputzen und noch die Ofenkacheln setzen. Ich schätze mal knapp die Hälfte ist geschafft.
    Andere hier im Forum haben sich ihren Ofen in 3 Tagen durch die Jungs von Keramik Art bauen lassen. Ist mir rätselhaft wie die das machen. Warscheinlich gleichzeitig mit Links mauern, mit Rechts Steine schneiden und mit einem Füß Mörtel anrühren.... und das 10 Stunden am Tag.


    Grüße
    Maik

  • Na wenn das so ist, bin ich beruhigt Herr Kern. Aber ich schätze sie werden weniger als die Hälfte meiner Zeit benötigen.
    Heute habe ich mit dem Ofenmantel im Flur begonnen. Die Ziegelsteine lassen sich bedeutend einfacher schneiden als die Schamotte der Züge. Vermörtelt werden sie mit einem Haftkleber von Ortner und der hat es in sich! Nach etwa 15 min. zieht er an und ist kurz danach fest. Ich habe es bestenfalls geschafft 4 Steine mit einer Mischung zu verbauen, mehr ging nicht. Das sind etwa 2 kleine Kellen Kleber und ´ne Tasse Wasser. Da muss aber alles penibel vorbereitet sein, Wasserwage suchen oder erst noch die Steine holen is nich...., da wird die Hälfte vom Mörtel hart. Sehr hilfreich bei der Arbeit ist der Kreuzlaser. Den stell ich in einer Ecke auf, richtet ihn aus und bekomme so eine schöne senkrechte Wand, in der richtigen Flucht, hin. Mehr muss man eigentlich nicht kontrollieren. Wenn die Fugen nicht ganz gleichmäßig werden, macht nix, sieht nach dem Verputzen eh keiner. Auf der Innenseite zu den Zügen komme ich gerade noch so mit der kleinen Kelle rein um den überschüssigen Mörtel abzukratzen. Das erfordert etwas Fingerspitzengefühl, denn alles was jetzt reinfällt, in den 5 cm breiten Spalt, ist weg. :mad:
    Grüße
    Maik

  • Ich schätze mal knapp die Hälfte ist geschafft.
    Andere hier im Forum haben sich ihren Ofen in 3 Tagen durch die Jungs von Keramik Art bauen lassen. Ist mir rätselhaft wie die das machen. Warscheinlich gleichzeitig mit Links mauern, mit Rechts Steine schneiden und mit einem Füß Mörtel anrühren.... und das 10 Stunden am Tag.


    Hallo Maik,


    wie Herr Kern schon schrieb, schaffen es die Profis auch nicht in drei Tagen, aber mit einenm Arbeitstag von 10-12 Stunden liegst du nicht ganz falsch :-)
    Aber das sind auch Profis, die jahrelange Erfahrung haben, da muss ein Unterschied sein.


    Nach in ruhe weiter, du weisst: mühsam ernährt sich das Eichhörnchen :D


    Viele Grüße


    Jochen

  • So, gestern habe ich noch die Vormauerung im Flur fast fertig gestellt. Es fehlt noch die oberster Reihe Ziegel, die muss ich passend schneiden und mache das erst wenn im Wohnzimmer auch alles soweit auf dieser Höhe ist.
    Die 3 Rahmen für die Reinigungsöffnungen sind auch gesetzt. Durch den oberen komme ich auch ganz gut an den Temperaturfühler ran um ihn mal zu wechseln.
    Heute habe ich im Wohnzimmer ewig an der Vormauerung herum gemessen. Da muss alles stimmen, sonst passt die Keramik später nicht. Die 4 Steine, die ich im Bereich der Züge ganz unten schon gesetzt hatte, müssten eigentlich 1 cm weiter außen stehen. :confused: Entweder ich setze nun die nächste Reihe leicht versetzt auf und gleiche das mit Putz aus oder die 4 Ziegel müssen nochmal weg! Sowas hebt nicht unbedingt die Stimmung bei mir. Als dann noch der Laser mit leerem Akku aufgab, habe ich mir gedacht - OK das ist ein Zeichen -> Schluss für heute.
    Morgen gehts weiter...
    Grüße
    Maik

  • Also die 4 Steine mussten heute doch nochmal weichen. Erstaunlich wie gut der Klebemörtel hält. Es ging nur mit dem Hammer und auch nur mit richtig viel Schwung. Also wer an der Bauweise ohne Stahlklammern und nur mit Klebemörtel zu bauen zweifelt, für den ist das erste Bild!
    Dann noch mal alles nachgemessen und los gings:
    ein Stein, noch ein Stein und noch einer,..... In den Zwischenraum zu den Zügen stelle ich eine doppelte Lage Wellpappe. So kann dort nichts reinfallen und der überschüssige Mötel quillt auch nicht an die angrenzende Wand. Mann muß die Pappe nur gleich nach dem Setzen der Steine mit hochziehen, später kommt da keiner mehr ran.
    Das Loblied auf den Laser habe ich ja schon mehrfach angestimmt, heute ein paar Bilder dazu. Einfacher geht es wirklich nicht eine gerade Wand zu mauern.
    Grüße
    Maik

  • 1. Mai, Tag der Arbeit - da wurde was fertig!
    Die Vormauerung im Wohnzimmer steht, bis auf die letzte obere Reihe Ziegel. Alles was jetzt noch offen ist wird mit den Kacheln verblendet. Die erste Keramik durfte auch schon mal zur Probe an ihren Platz. Morgen gehts los mit dem Anpassen weiterer Teile, hoffentlich krieg ich das hin.
    Grüße
    Maik

  • Gestern habe ich begonnen die Kacheln für den unteren Sims zuzuschneiden und zu verlegen. Da das alles Standardteile sind müssen sie an die jeweilige Verwendung angepasst werden. Das heißt im meinem Fall mehrere 45° Schnitte, möglichst passend weil einen 2. Versuch gibts nicht! Herr Kern hat zwar mehr Kacheln fertigen lassen als benötigt werden aber dieser Vorrat ist bei hirnlosem Arbeiten schnell erschöpft!
    Bevor es losging habe ich ein anderes Blatt auf die Nassschneidemaschine montiert, es hat einen durchgehenden Schneiderand und ist extra für Fliesen und Glasurschnitte geeignet. Um die 45° Gehrung exakt schneiden zu können ist ein Anschlag sinnvoll. Der im Bild mit den 3 Sperrholzwinkeln erwies sich als unbrauchbar, da dem 230er Blatt dzu die Schnitttiefe fehlt.
    Man muß immer so schneiden, dass das Blatt in die Glasur eintaucht, sonst franst es zu stark aus. In 2 Fällen an den Ecksimsen war das mit der Nassschneidemaschine nicht möglich. Dort habe ich das vorsichtig mit Hand gemacht und den letzten Millimeter mit einer Fächerscheibe für Stein abgetragen. Die geht übrigens auch genz gut um kleine Anpassungen vorzunehmen. Denn nur in der Theorie ergeben 2x 45° einen rechten Winkel.... :mad:
    Um die Kacheln zu setzen ist eine Richtlatte sehr hilfreich, bei mir die lange Wasserwage und ein paar kleine Schraubzwingen. Der Laser hilft hier auch wieder sehr gut.
    Insgesamt habe ich für die 10 Kacheln fast den ganzen Tag gebraucht, bin aber mit dem Ergebnis ganz zufrieden.
    Grüße
    Maik

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